Die Eisenbahn

Der Bahnhof „Grünebach“ an der Strecke Betzdorf – Daaden, die im Jahre 1886 eröffnet wurde. Über Jahrzehnte befuhr der Schienenbus diese Strecke. Der Bahnhof war von früh morgens bis spät abends besetzt. Die Schranken mussten schließlich noch händisch bedient werden (die Kurbel ist am rechten Bildrand zu sehen). Neben der Bedienung der Schranken verkaufte der Mitarbeiter der Bahn auch noch Fahrkarten. Zeitweise wurden hier sogar noch Pakete und Gepäck abgefertigt und in dem etwas höheren Gebäudeteil gelagert.

Endstation für die Dampfloks. Als zunächst Diesel- und später auch E-Loks die gute alte Dampflok ersetzten, wurden einige Exemplare vorübergehend auf dem Gleisdreieck zwischen Hellertal- und Daadetalbahn geparkt, bevor sie endgültig verschrottet wurden.
Zwei Schienenbusse, der eine auf der Fahrt nach Daaden, der andere nach Herdorf, bei der Ausfahrt aus dem Alsdorfer Tunnel.
Ausfahrt einer Dampflok aus dem Tunnel „Alsdorf“. Rechts im Bild das ehemalige Stellwerk.

Vom 4. Oktober 1954 an befuhr dieses seltsam aussehende Gefährt die Strecke von Betzdorf nach Koblenz. Der Abschnitt von Betzdorf nach Dierdorf wurde dabei auf der Schiene, und der Abschnitt von Dierdorf nach Kobelnez auf der Straße zurückgelegt. Möglich wurde dies durch zwei Spurwagen, die hinten und vorne unter dem Triebwagen befestigt wurden und damit die Fahrt auf den Schienen ermöglichten. Für die Fahrt auf der Straße wurden diese Spurwagen abmontiert. Der Antrieb auf der Schiene erfolgte durch die gummibereiften Hinterräder für den Straßenbetrieb. Motorisiert war das Vehikel mit einem 130 PS starken Dieselmotor und konnte 43 Fahrgäste befördern.
Da die auf der Strecke eingesetzten drei Fahrzeuge nur an Werktagen verkehrten, wurde das in Betzdorf stationierte Fahrzeug am Wochenende auf Buslinien im Umfeld von Betzdorf eingesetzt. Dabei stattete der Schienen-Straßen-Omnibus auch der Gemeinde Alsdorf zumindest sonntags einen regelmäßigen Besuch ab.
Die Zeit des Schienen-Straßen-Omnibusses dauerte indes nicht allzu lange. Bereits am 27. Mai 1967 kam das Aus. Eines der insgesamt 52 hergestellten Fahrzeuge ist im Bundesbahnmuseum in Bochum noch zu bewundern.

Der Bau der Bahntrassen. 

„Die Bahn folgt der Richtung des Tales, nur bei der Alsdorfer Hütte biegt dieselbe in ein Seitentälchen ein, um bald aber darauf aus einem 35 Ruten langen Tunnel wieder in das Hellertal einzutreten“. So aus einem früheren Bericht über die Streckenführung der Deutz-Gießener Bahn von Betzdorf aus durchs Imhäuser Tal, den Tunnel, vorbei an Alsdorf.
Der Eisenbahnbau ist ja weitgehend an der Gemeinde Alsdorf vorbeigegangen. Das war in erster Linie wohl geografisch bedingt. Nur am nordöstlichen Rand berühren die Trassen der Deutz-Gießener- und der Daadetalbahn den Bereich der Gemeinde. Das nahm man in Alsdorf gelassen hin. Ja, man war eigentlich froh, vom Bahnbau weitgehend verschont zu bleiben. Steinbrüche stellte man den Bahnbauern gerne zur Verfügung – gegen Bruchzinsen versteht sich! Die Alsdorfer hingen an ihren landwirtschaftlichen Nutzflächen, den Haubergen und Waldungen. Für den Straßenbau hatten sie schon Gelände abgeben müssen und erlebten nun, wie sich ihre Nachbarn Betzdorf und anderswo mit dem Bahnfiskus wegen der Entschädigungsleistungen herumschlagen mussten.
Eine Portion Stolz spielte bei den Alsdorfer auch mit: sie wollten diese „Fuhrwerkerei“ nicht. Geld hatten sie ja, Hütten und Bergbau hatten es eingebracht. 1883 stiftete noch eine Alsdorfer Gewerkenfamilie (=Anteilseigner an der Hütte) die zweitgrößte Glocke in der neu erbauten katholischen Pfarrkirche in Betzdorf. Überhaupt war dieses Gotteshaus mit großem Alsdorfer Spendenaufkommen errichtet worden. Deshalb gingen Angehörige der Spenderfamilie zeit ihres Lebens nur in „ihre“ Kirche nach Betzdorf. Wie gesagt, Stolz, auch Eigensinn und die alte Gewerkeneinstellung „wir schaffen das aus eigener Kraft“, selbst wenn sie sich bitter einschränken mussten, alles dies spielte eine Rolle.
Kurios auch dies: Die Alsdorfer legten noch in den 1880-iger Jahren keinen Wert darauf, dass die beiden Bahnhöfe, die an der Trasse nach Daaden noch innerhalb der Alsdorfer Gemarkungsgrenzen entstanden, auch ihren Namen bekamen. Gemeint sind die Bahnhöfe „Grünebach“ und „Schutzbach“. Um es komplett zu machen, erhielt auch der dritte Haltepunkt auf Alsdorfer Gebiet, der an der Trasse nach Giessen liegt, wenige Jahrzehnte später den Namen „Grünebacher Hütte“.
Als die Eisenbahn 1906 im Bahnhof Grünebach den Stückgutverkehr einrichtete, beteiligte sich die Gemeinde Alsdorf sogar mit 1.150 RM (Reichsmark) an den Kosten, Grünebach mit 250 RM und die Betzdorfer Eisengießerei (später die Firma Schrupp) mit 350 RM. Die Alsdorfer hatten schließlich dann nochmal das Nachsehen. Nicht nur bezüglich der Namen der Bahnhöfe, auch noch in Bezug auf die Hütten. Die Bahn brachte nämlich für die Alsdorfer Hütte das Aus. Die Bahn schaffte nun den Koks für die Hochöfen von der Ruhr ins Siegerland. Das stellte die Alsdorfer Hütte vor große Probleme. Der Hochofen musste von Holzkohlenbetrieb auf Koks umgestellt werden. Selbst die Vergrößerung des Ofens und die Anschaffung einer modernen Dampfmaschine reichten nicht zum Überleben. Jetzt hätten die Alsdorfer Gewerken gerne einen Gleisanschluss gehabt, weil alles Material für die Hütte, der Koks als Brennmaterial und auch das fertige Roheisen, mit dem Pferdefuhrwerk zur neuen Bahnstation in Betzdorf transportiert werden musste. Das verteuerte die Roheisenproduktion in der Alsdorfer Hütte, ein entscheidender wirtschaftlicher Nachteil. Die Hütte war nicht mehr konkurrenzfähig und die Gewerken verloren ihr Interesse am weiteren Betrieb. So erloschen im Jahre 1885 die Feuer in der Alsdorfer Hütte für immer. So war der Bau der Eisenbahn ein Mosaikstein für das Ende der Alsdorfer Eisenhütte.