Industrie und Handwerk

Der Bergbau

Der Bergbau hat im Westerwald und im Siegerland eine jahrhundertealte Tradition. Mit einfachsten Mitteln und Werkzeugen haben die Menschen vorwiegend Eisenerze, aber auch Kupfer-, Mangan-  und Kobalterze aus den Bergen gegraben und mit Pferdefuhrwerken zur Metallgewinnung in die benachbarten Hütten transportiert. In der nebenstehenden Karte sind die Stollen, aus denen die Erze am Alsberg, am Alten Bornskopf, sowie am Arsberg mit primitiven Ausrüstungen und Werkzeugen gewonnen wurden, markiert. Sie trugen klangvolle Namen wie z.B., „Alexander“, „Laura“, „Wilhelmsglück“, „Maiblume“, „Max“, „Burgeck“, „Roter Löwe“, „Gottessegen“ und „Falkenberg“.  Die Grube „Roter Löwe“ taucht schon in Grubenberichten von 1769 auf. Betrieben wurde die Grube seinerzeit von sieben Bergleuten und einem Steiger. Der hier geförderte Eisenstein wurde mit Pferdefuhrwerken durch die heutige Lindenstraße abgefahren und in den Öfen der Alsdorfer Eisenhütte und der Altgrünebacher Hütte verhüttet. Am Ausgang der Lindenstraße konnten die Fuhrleute die Grubenwerkzeuge wie Bohrer und Meisel beim Dorfschmied, dem „Schmeddehannes“, aufarbeiten lassen. Dessen Werkstatt stand dort, wo später die Familie Reeh ihren Lebensmittelladen betrieb. Nachdem die Familie Göldner ihr Haus am Eingang der Lindenstraße gebaut hatte, zog auch die Schmiede um. Reste davon sind bis heute erhalten geblieben.

Verzeichnis der Stollen im Bereich Alsdorf, Schutzbach, Niederdreisbach, Kausen. Jder blaue Punkt markiert eine Stelle, an der nachweislich nach Erzen gegraben wurde.An manchen Stellen ist das heute noch in der Örtlichkeit mehr oder weniger deutlich zu erkennen.

Gefördert wurden in den Stollen vorwiegend Eisenerze, darunter hauptsächlich Spateisenstein, dessen Metallgehalt bei 37% lag. In der Grube „Roter Löwe“ wurde bis in die 1920-iger Jahre überwiegend Eisenglanz abgebaut, dessen Eisengehalt bei 67% lag.

Am Druidensteig im Bereich der Herrenwiese weist ein Schild darauf hin, dass dort bis zum Beginn der 19. Jahrhunderts nach Kobalterzen geschürft und auch gefunden wurden. Es kam zur Verleihung mehrerer Grubenfelder mit den Namen „Wilhelmsglück“, „Laura“ und „Alexander“. Die Ausbeute war an dieser Stelle jedoch nur gering. Zu gering war der Metallgehalt und die Gewinnungskosten waren zu hoch. Zu einem nennenswerten Abbau kam es daher nie. Bereits um 1800 wurden die Arbeiten eingestellt. Wenn man heute mit offenen Augen durch diesen Bereich geht, fallen hier und da noch Schürfungen und Reste von Abraumhalden auf. Kobalt wurde seit alters her zum Färben von Glas und Porzellan benötigt. Nach der künstlichen Herstellung des Farbstoffes verlor der Kobaltabbau jedoch an Bedeutung. Heute zählt Kobalt zu den strategisch wichtigen Metallen und wird überwiegend als Legierungsmetall und in der Herstellung elektronischer Bauteile benötigt.

Dieses Hinweisschild steht direkt am Druidensteig im Steinerother Tal an der Stelle, an der wenig erfolgreich nach Kobalterzen gegraben wurde (mehr dazu im Text).

Im Bereich des Imhäusertales hat es wohl auch noch ein Schieferbergwerk mit dem Namen „Graues Heerdgen“ gegeben. Es hat, so ist es im Mineralienatlas im Internet dokumentiert, „nördlich von Alsdorf, an einem Felssporn zwischen Imhäuser Bach und Hellerbach“ gelegen. Zu sehen ist davon heute in der Örtlichkeit allerdings nichts mehr. Nach den Angaben der Liste der Bergwerke im Kreis Altenkirchen hat die Grube vor den 1880-iger Jahren existiert. Wann sie geschlossen wurde, ist leider nicht dokumentiert.  

Die Grube „Rother Löwe“

In der Liste der Bergwerke im Kreis Altenkirchen ist auch die Grube „Rother Löwe“ aufgeführt. Die Grube lag am Arsberg, allerdings in der Gemarkung Kausen/Molzhain. Das gewonnene Erz wurde durch das Rothe-Löwer-Tal und das Steinerother Tal mit Pferdefuhrwerken zu der Alsdorfer Hütte und der Grünebacher Hütte transportiert. Der Stollenmund ist in der Örtlichkeit noch erkennbar. Der Platz vor dem Stollen ist mit Abraum aufgeschüttet.

In der Bildmitte ist der Stollenmund der Grube „Rother Löwe“ erkennbar.

Der Stollenmund der Grube „Rother Löwe“.

Abraum vor dem Stollen. An der Farbe der Steine ist der Metallgehalt erkennbar. Aus der Grube wurde überwiegend Brauneisenstein gewonnen.

Die Grube „Junger Max“

Dieselbe Liste führt auch noch eine Grube mit Namen „Junger Max“ am Fuße des Arsberges zwischen Alsdorf und Schutzbach auf. Zwei Stollen haben dazu gehört. Einer direkt im Tal auf Höhe der Bahntrasse. Dieser Stollen ist leider verschüttet, seine Stelle aber in der Örtlichkeit noch erkennbar. Der andere Stollen befindet sich hoch oben am Hang in einem unzugänglichen Bereich. Hier ist de Stollenmund noch deutlich erkennbar. Auch weitere Belege, wie z.B. einige Schürflöcher und erzhaltige Felsbrocken zeugen davon, dass hier Menschen nach Bodenschätzen gegraben haben. In diesem Fall war es Eisenerz, was die Menschen Mitte des 18. Jahrhunderts hier ausgegraben haben. Wann die Arbeiten eingestellt wurde, ist leider nicht überliefert.

Heute sind die Stollen der Eisenerzgruben längst verfallen und ohne Ortskenntnisse in der Natur nicht mehr erkennbar. Die zurückgelassenen Feldbahnen und die Grubenhunde (Wagen zum Abtransport des Erzes aus den Stollen) sind verschwunden. Die Halden des Abraums sind wieder bewachsen, teilweise wurden sie abgetragen und das Material im Straßenbau verwendet. Nur die Abraumhalde der Grube „Roter Löwe“ am Ende des gleichnamigen Tales ist in der Örtlichkeit noch relativ gut zu erkennen. Der Bergbau spielt in Westerwald und Siegerland keine Rolle mehr.